Materialinfo und -vergleich
Wer kennt sie nicht, die ruckzuck-zusammengeschraubten Kisten und Ausbauten aus Restholz, mit der Stichsäge liebevoll ausgesägt und versehen mit superbilligen Beschlägen aus dem Baumarkt? Nach dem Motto "viel hilft viel" wird nicht mit Schrauben und Verstärkungswinkeln gespart und auch die Materialstärken lassen mitunter auf Schwersttransporttauglichkeit schließen...
Andererseits machen so manche professionelle Fahrzeugausstatter ein kleines Geheimnis aus den verwendeten Grundmaterialien; wir setzen auf objektive Information und sehen darin einen zusätzlichen Service für unsere Kunden. Welche Materialien wir verwenden, welche Vor- und Nachteile diese haben und was in diesem Bereich wirklich sinnvoll und angebracht ist, möchten wir auf dieser Seite darstellen.
Die Anforderungen, die bei einem Fahrzeugausbau gestellt werden, sind nicht vergleichbar mit denen normaler Wohnungsmöbel. Je nach Zweck und Verwendung sollen Ausbauten hochstabil, wasserunempfindlich, leicht zu reinigen und möglichst staubdicht und leicht sein. Die gewünschte Optik reicht von sachlich-kühl bis wohnlich-gemütlich.
Prinzipiell herrschen in einem Auto in unseren Breiten übers ganze Jahr gesehen extrem unterschiedliche Klimaverhältnisse. Von Minustemperaturen bis zu -25°C mit sehr geringer Luftfeuchtigkeit über feuchtkaltes Klima mit sehr hoher Luftfeuchte bis zu wüstenhaften Temperaturen im Innenraum im Hochsommer bei geschlossenen Fenstern auf dem Parkplatz. Dazu kommen dann noch Grenzbereiche, wenn es z.B. im Urlaub draußen schon recht frisch ist und im Auto geheizt, gekocht und geschlafen wird. Das Kondenswasser innen auf den Scheiben kennt jeder, und vielleicht erinnert sich so mancher auch an die Eisschicht innen am nächsten Morgen... Zu denken ist auch an unvorhergesehene Wassereinbrüche (die es zwar bevorzugt, aber nicht nur bei Land Rovern gibt), undichte Wasserkanister, nasse Kleidung, etc. Im Urlaub gehen die Umwelteinflüße je nach Reiseziel dann oft noch mehr ins Extreme.
Verständlich, das bei diesen Anforderungen gewisse Ausbaumaterialien von vornherein ausscheiden und manche sich besonders anbieten!
Holz ist das meistverwendetste Material. Es ist relativ leicht zu verarbeiten, macht optisch einen warmen Eindruck, läßt sich vielfältig durch Farben, Öle, Wachse, Lacke und Beschichtungen veredeln und ist in vielen Verarbeitungsvarianten erhältlich. Holz wirkt hygroskopisch, d.h. es ist in der Lage, Wasser (-dampf) aufzunehmen und wieder abzugeben. Daher wirkt es sich günstig auf das Raumklima aus. Wo auf Metallflächen schon lange das Wasser steht, sieht man beim Holz noch nichts. Was man aber nicht vergessen darf, ist daß Holz ein lebendiger Werkstoff ist! Ob als Vollholz verwendet, zerspant und verklebt zu Spannplatten, gemessert und verleimt zu Sperrhölzern oder mit Harzen beschichtet,- es hört nie auf, auf Umwelteinflüße zu reagieren, d.h. kann sich verziehen, wird ein bißchen länger, breiter oder dicker, fängt an zu bröseln oder gar gänzlich "aus dem Leim" zu gehen. Die genannten Effekte kommen je nach Werkstoff und Konstruktion unterschiedlich stark zum Tragen. Vorallem aus zerspantem Holz verpresste Platten saugen das Wasser regelrecht auf und werden bis zur 3-fachen(!!) Stärke dicker, nicht wasserfest verleimte Sperrholzplatten zerfallen nach mehrmaliger Wassereinwirkung wieder in ihre einzelnen Schichten, was natürlich für jeden Ausbau ein fürchterliches Fiasko darstellt!
Vollholz, auch sogenanntes Leimholz ist für Fahrzeugausbauten ziemlich ungeeignet. Wer ausgebildeter Schreiner ist, mag die Sache konstruktiv in den Griff bekommen, aber die Nachteile überwiegen bei diesen Anforderungen! Durch die extrem unterschiedlichen Klimaverhältnisse im Auto kommt es unweigerlich zu starkem Verzug durch Schwinden oder Quellen des Holzes, was bei breiten Bauteilen durchaus Ärger machen kann und konstruktiv beachtet werden muß. Schmale Leisten und Anleimer können wohl zum Einsatz kommen, aber auch hier kann man meist schnell das "Arbeiten" des Holzes beobachten, wenn eine ungeeignete Holzart gewählt wird.
Plattenwerkstoffe gibt es sehr viel verschiedene, und gerade bei diesen ist die Wasserfestigkeit der Schichten-Verleimung von großer Wichtigkeit! Die Verleimung wird unterteilt in folgende Klassen:
- V20 / AW 20 nicht wasserbeständig verleimt, Schreinerware, im Möbelbau Standard (außer für Feuchträume).
- V100 / AW100 wetterbeständig verleimt
- V100 / AW 100G wetterbeständig verleimt, mit Schutzmittel gegen holzzerstörende Pilze behandelt
Für den Einsatz im Auto sollten nur Platten der Klasse V100 / AW 100 verwendet werden! Wie Platten der Klasse V20/AW 20 nach ein paar kleineren (!) Wassereinbrüchen aussehen, zeigt dieses Bild (Pappelsperrholz mit Melaminbeschichtung) :
...ein erschreckender Anblick, der deutlich zeigt, daß man 1. am falschen Fleck gespart hat und 2. viel Arbeit umsonst investiert hat !
Die wichtigsten Plattenwerkstoffe sind:
- Platten aus zerspantem Holz: Spanplatte, OSB-Platte, MDF-Platten
- Platten aus schichtweise verleimtem Holz: Tischlerplatten, Verbundplatten, Sperrholz, Multiplex (mit den Unterkategorien Siebdruckplatte, Feinholz)
Nähere Angaben in der Vergleichstabelle unten.
KUNSTSTOFF / FASERVERBUNDSTOFFE
Das bekannteste Material ist hier sicher GFK (GlasFaserverstärkter Kunststoff). GFK wird viel im Wohnkabinenbau verwendet, oft in Verbindung mit isolierenden Hartschaumeinlagen. Die Verarbeitung ist sehr aufwändig und erfordert großes Know-How, sodaß ein Ausbau aus diesem Material den Spezialisten vorbehalten ist.
Ähnlich, nur von Kosten und Know-How noch eine Stufe höher, verhält es sich mit Carbonlaminaten (CFK), die extrem leichte und steife Bauteile ermöglichen.
PP- Plattenwerkstoffe finden zunehmend in der Autoindustrie Verwendung und eigenen sich mit Einschränkungen auch zur Verwendung in Reiseausbauten.
Eine gelungene Kombination aus Kunststoff und Metall sind Alu-Sandwichplatten: 2 dünne Aluminiumschichten schließen einen mehr oder weniger dicken Kunststoffkern ein. Die Verarbeitung ist auch hier nicht ganz banal.
Musterbox aus Alu-Dibond mit Casemakerprofilen
Alu-Stauboxen sind das wohl beliebteste Utensil aller Fernreisenden. Sie kosten je nach Hersteller mehr oder weniger, sind leicht, relativ dicht und stabil und es gibt sie in vielen Größen. Leider hat Aluminium, wenn es denn nicht eloxiert, lackiert oder sonstwie beschichtet ist, den großen Nachteil, daß es Alles, was sich daran reibt schwärzt. Fast jeder wird die ärgerlichen schwarzen Stellen an seiner Ausrüstung und Kleidung kennen, nachdem er diese in seiner schönen Alubox so richtig über eine Piste geschüttelt hat. Und freilich nutzt so eine Box mit Ihren Standardmaßen auch nicht jeden Winkel im Fahrzeug optimal aus. Dritter Wermutstropfen ist wegen der hohen Wärme-/Kälteleitfähigkeit die starke Kondenswasserbildung.
Aluminium als Ausbaumaterial wird gerne in Riffel- oder Warzenblechform verwendet, die martialische Optik und Kälte des Materials ist jedoch nicht jedermanns Sache, vor allem nicht großflächig. Als robuster Ladeflächenboden ist es aber sicher eine gute Wahl.
Für Wohnkabinen- und Hardtopkonstruktionen, aber auch den Ausbaubereich gibt es Alu- Wabenplatten und Alu-Hartschaumplatten in verschiedenen Stärken. Die Verarbeitung ist aber zumindest für Anfänger oft zu aufwändig.
Edelstahl findet bei Möbeln eigentlich nur im Beschlagsbereich Verwendung. Im Zubehörbereich (Anbauteile) ist es jedoch wegen der ansprechenden Optik und der Langlebigkeit sehr verbreitet.
Stahl ist ein weitverbreitetes Material, mit dem sich jeder Dorfschmied auf der ganzen Welt auskennt. Es gibt kaum etwas, was man damit nicht machen kann. Je nach Stahlqualität und Anforderung kann es das Material der Wahl sein! Für Fahrzeugausbauten im Expeditions- und Reisebereich scheidet es hauptsächlich aufgrund des Gewichts und der Rostanfälligkeit aus.